Pressemitteilung
Kinder vor Sprachrückständen bewahren
08.01.2009
Nur wer sich einbringt, kann
Erfolg in Schule und Beruf haben. Häufig aber haben viele Kinder
enorme Schwierigkeiten, sich altersgemäß zu artikulieren. "Vor allem
Kinder mit Migrationshintergrund und aus bildungsfernen Milieus
absolvieren oft eine nur eine unbefriedigende Schulausbildung, da
deren Sprachkompetenz beim Schuleintritt häufig ungenügend ist
",
sagte Prof. Dr. Katrin Neumann vom Zentrum für
Hals-Nasen-Ohrenheilkunde an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Aus diesem Grund sollen sogenannte
Sprachscreenings eingeführt werden. Diese sollen in Verbindung mit
kompetenzorientierter Sprachförderung und - wenn nötig - durch
Sprachtherapie die Sprachfähigkeit der Schulanfänger sichern.
Problematisch sei jedoch, dass Kinder ohne Sprach- oder
Sprechdefizite bei diesen Sprachscreenings oftmals leichter zu
identifizieren seien als Kinder mit solchen Defiziten. "Schließlich
ist die Evidenz für eine langfristige Wirkung von flächendeckenden
Förderprogrammen noch nicht überzeugend
", erklärte Neumann. Dies
werde nach Ansicht der Ärztin auch im Abschlussbericht des Instituts
für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen deutlich, in
dem das Institut den Nutzen einer Früherkennungsuntersuchung auf
Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache bei Kindern bis
zu sechs Jahren mit einem Vorgehen ohne Screening und
Sprachinterventionen bewertet. "Dennoch erscheint ein streng
algorithmisiertes Screening, das den Gütekriterien von
psychometrischen Tests genügt, machbar und sinnvoll
", so die
Fachärztin für Phoniatrie und Pädaudiologie.
Weniger problematisch ist die Situation beim Hörscreening für
Neugeborene (NHS), für das seit 2008 ein gesetzlicher Anspruch
besteht. Doch gibt es für Neumann auch in diesem Bereich
Verbesserungsbedarf: "War in der Einführungsphase des NHS der
politische Föderalismus förderlich im Wettbewerb um optimale
Screening-Technologien und -Programme, erscheint es nun hingegen
sinnvoll, Organisations-, Informations- und Datenstrukturen zu
vereinheitlichen.
" Um die Qualität der Hörscreenings zu sichern und
ein flächendeckendes Netz von Hörscreening-Zentralen aufzubauen, sei
deshalb vor kurzem der Verband deutscher Hörscreening-Zentralen
gegründet worden, berichtete die Expertin auf der
Fortbildungsveranstaltung. Dieser werde künftig über den Stand der
Einführung eines flächendeckenden NHS in den Bundesländern und erste
länderübergreifende Organisationsstrukturen informieren.
http://www.kinderkrankenpflege-netz.de/presse/2010/kinder_sprachrueckstand.shtml
