Pressemitteilung
Mindestlohn in der (Kinder-)Krankenpflege
23.01.2009
Angesichts vieler prekärer Arbeitsverhältnisse in der Pflegebranche begrüßt der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) e.V. die Entscheidung des Bundestages für einen gesetzlichen Mindestlohn. "Dies ist mehr als überfällig und ein Einstieg in eine gerechtere Vergütung in einer der wichtigsten Wachstumsbranchen in Deutschland", so DBfK Bundesgeschäftsführer Franz Wagner heute in Berlin. Vor allem Pflege- und Hilfskräfte im Gesundheitswesen leiden bereits vielerorts unter einem unzumutbaren Lohndumping.
"Die Einführung eines
Mindeststundenlohns wird diese gefährliche Entwicklung stoppen und als
Grundlage für die längst fällige, angemessene Bezahlung von
Pflegekräften in Deutschland dienen.
" Der branchenspezifische
Mindestlohn sei zudem ein Beitrag im Sinne der Stützung der Konjunktur,
so Wagner weiter. Einer der wichtigsten Versorgungsbereiche der
Bevölkerung, das Gesundheits- und Pflegewesen, sei angesichts von
Lohndumping, immer mehr ungelernten Arbeitskräften, zunehmendem
Fachkräftemangel und Stellenabbau in seiner Substanz bedroht.
Unerlässlich sei allerdings auch, dass die gesetzlich und tariflich
festgelegten Löhne auch von den Kostenträgern in voller Höhe anerkannt
und in den Pflegesatzverhandlungen berücksichtigt werden. Hier besteht
noch politischer Handlungsbedarf, denn der Mindestlohn dürfe nicht zur
Absenkung bestehender höherer Löhne führen. Für Pflegefachkräfte fordert
der DBfK darüber hinaus eine der Qualifikation und Verantwortung der
professionellen Altenpflege und Gesundheits- und Kranken- bzw.
Kinderkrankenpflege entsprechende angemessene Vergütung, die deutlich
über dem Mindestlohn liegt. Um die Attraktivität des Berufsfeldes Pflege
zu erhalten und den Anschluss an die Einkommensentwicklung anderer
Beschäftigtengruppen im Gesundheitswesen nicht zu verlieren, muss die
Lohnentwicklung nach Meinung des Berufsverbands endlich angepasst
werden. "Eine qualitativ gute und hochwertige fachpflegerische
Versorgung kann nur über eine angemessene Vergütung, adäquate
Arbeitsbedingungen und gesellschaftliche Wertschätzung für diese
Tätigkeit sichergestellt werden
", so Wagner, "zumal unser
Gesundheitssystem angesichts des beginnenden Pflegepersonalmangels in
den kommenden Jahren dringend auf die Pflegefachkräfte angewiesen sein
wird.
"
Die Debatte um die Löhne und Gehälter in der Pflege verweist auf künftige Probleme: Denn 85,6 Prozent der Pflegenden sind Frauen, diese arbeiten zu fast 40 Prozent in Teilzeit und verfügen infolge von Familienzeiten über kürzere sozialversicherungspflichtig relevante Anspruchszeiten. Die körperliche Belastung erlaubt es nicht, dass alle Pflegekräfte bis zum Eintritt ins Rentenalter im Beruf tätig bleiben. Hinzu kommen das niedrige Lohnniveau sowie die Beschäftigung in Leasing-Arbeitsverhältnissen, die perspektivisch in die Altersarmut führen. Insgesamt werden die Pflegeberufe immer unattraktiver. Jetzt seien Investitionen in die Qualifizierung und eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Pflegenden erforderlich, um für die Zukunft die Versorgung sicherzustellen.
http://www.kinderkrankenpflege-netz.de/presse/2009/mindestlohn.shtml
