Eine Annäherung an die Craniosacrale Körperarbeit in der Kinderkrankenpflege
28.09.2009
Craniosacrale Körperarbeit in der Kinderkrankenpflege: Eine Abschlussarbeit von Sylvia Potzinger im Rahmen Ihrer Fachweiterbildung für Intensivpflege (2006).
Inhalt
- 1. Einleitung
- 2. Das Craniosacral-System
- 2.1. Seine Verbindung zu anderen Körpersystemen
- 2.2. Anatomische Zusammensetzung
- 2.3. Das Ventrikelsystem
- 2.3.1. Der Liquor
- 2.4. Die Membranen
- 3. Die craniosacrale Bewegung/der Rhythmus - Ebbe und Flut im Körper
- 3.1. Die Beobachtung der CS-Bewegung
- 3.2. Der Ruhepunkt
- 4. Voraussetzung für CS-Arbeit
- 5. Mit welchen Kräften wird gearbeitet?
- 6. Indikationen für CS-Arbeit bei Kindern
- 7. Kontraindikationen
- 7.1. CS-Arbeit und Lumbalpunktion
- 8. Die Duralröhre und die Wirbelsäule
- 9. Das Bindegewebe
- 10. Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder
- 10.1. Der erste Kontakt eines Neugeborenen mit CS-Arbeit
- 11. Entstehung von Dysfunktionen
- 12. Entspannung des Duralschlauches
- 13. Die psychomotorische Entwicklung
- 14. Zusammenfassung
- 15. Schlusswort
- Literaturverzeichnis
- Nachwort
- Kontakt zur Autorin
1. Einleitung
Die Craniosacralarbeit ist eine sanfte, manuelle Form der Körperarbeit. Sie kann in ihrer Effizienz und Vielfalt alleine oder in Kombination mit anderen Behandlungsformen angewandt werden. Der craniosacrale Rhythmus ist schon beim Fötus vorhanden (vgl. Agustoni 1999, S. 18). Er stellt eine sehr subtile Form der Kommunikation dar und ihn zu erspüren erfordert sehr viel mehr Sensibilität als das pulsieren des Blutes wahrzunehmen. Der CS-Rhythmus ist, wenn wir unseren Körper verlassen, noch zwanzig Minuten nachdem alle Vitalfunktionen (Herzschlag, Atmung) aufgehört haben zu arbeiten, noch immer spürbar.
Ein osteopathischer Arzt, Dr. William Garner Sutherland, hatte zu Beginn dieses Jahrhunderts die unübliche Idee, dass die Schädelknochen aufgrund ihrer Form, beweglich sein müssten. Über 20 Jahre hinweg entwickelte er ein Konzept zur Befunderhebung und Behandlung, das als "craniale Osteopathie" bekannt wurde.
In den siebziger Jahren befasste sich ein anderer Arzt und Osteopath, Dr. John Upledger, mit dem CS-Rhythmus. Seiner langjährigen wissenschaftlichen Forschungsarbeit, in Kombination mit seinen sensitiven Fähigkeiten, ist die Populariät der Craniosacral-Therapie (seine eigene verfeinerte Weiterentwicklung des von Sutherland Konzipierten) zu verdanken. Um CS-Therapie außerhalb der traditionellen osteopathischen Schulen zu lehren, eröffnete er sein eigenes spezialisiertes Institut in Florida (seit 1994 auch in Österreich). Damit konnten nun auch Angehörige anderer Berufsgruppen in CS-Therapie ausgebildet werden.
Die Literatursuche für meine Arbeit erwies sich als nicht besonders aufwendig, da von vorneherein nur wenige Bücher in Frage kamen (es gibt nur wenig gute Literatur zu diesem Thema). Leider gibt es bezüglich CS-Behandlung bei Früh- und Neugeborenen kaum Literatur. Meine Informationen stammen aus fundierten Lehrbüchern und unter anderem aus meinem eigenen Wissensschatz welchen ich mir in meinen persönlichen Weiterbildungen in CS-Arbeit angeeignet habe.
Meinen ersten Kontakt mit dem CS-Rhythmus (außer mit meinem eigenen) hatte ich mit einem Frühgeborenen. Es war dies ein wahrlich beeindruckendes Erlebnis, das mich seither beschäftigt und nicht mehr losgelassen hat. Sehr wenige Menschen die CS-Arbeit ausüben haben Zugang zu Derartigem. Vielleicht ist mitunter das der Grund weshalb sich kaum Literatur zu diesem Thema finden lässt.
2. Das Craniosacral-System
Das Craniosacral-System im Körper stellt ein partiell geschlossenes, hydraulisches System dar. Gearbeitet wird am ganzen Körper, mit Schwerpunkt Schädel (Cranium), Wirbelsäule, und Kreuzbein (Sacrum), deshalb die Bezeichnung Craniosacral. Es ist eingeschlossen von einer wasserdichten zähen Membran (Dura Mater), die das Gehirn und das Rückenmark einhüllt. In dieser Membranhülle befindet sich die cerebrospinale Flüssigkeit (Liquor), die wiederum das Gehirn und das Rückenmark umspült.
Eine wichtige Funktion des Systems ist die Erzeugung, Zirkulation und Resorption dieser Flüssigkeit. Die cerebrospinale Flüssigkeit wird durch den Plexus choroideus (Adergeflecht) in den Ventrikeln aus dem Blutstrom in das Craniosacral-System eingeschleust und über die Arachnoidalzotten wieder in das venöse System übernommen. Die Flüssigkeit bildet die physiologische Umgebung, in welcher sich das Gehirn und das Rückenmark entwickeln und leben (vgl. Upledger, 1994, S. 25).
Im Normalfall geschieht die Produktion und Resorption der cerebrospinalen Flüssigkeit innerhalb der Dura mater, in Form von rhythmischen Druckschwankungen. Durch diese regelmäßigen Druckschwankungen expandiert und kontrahiert sich das System in einem regelmäßigen Rhythmus. Im Falle einer Funktionsstörung in diesem System kann es zu einer Fehlfunktion, Schwäche oder sogar zu Krankheit des Zentalnervensystems führen, was sich verständlicherweise auf die Physiologie des gesamten Körpers auswirken kann.
2.1. Seine Verbindung zu anderen Körpersystemen
Enge Verbindungen bestehen zu folgenden Systemen, die sich gegenseitig beeinflussen:
- Nervensystem
- Muskuloskelettales System (Bewegungsapparat: Muskeln, Bindegewebe, Faszien, Bänder, Sehnen, Gelenke)
- Gefäßsystem (arterielle und venöse Blutversorgung)
- Lymphsystem
- Endokrines System (Hormondrüsen)
- Atemsystem (vgl. Agustoni, 1999, S. 30)
Strukturelle oder funktionelle Anomalien in einem dieser Systeme können das CS-System beeinflussen. Andererseits haben solche Anomalien oftmals schwerwiegende Auswirkungen auf die Entwicklung oder Funktion des Nervensystems, insbesondere des Gehirns, zur Folge.
"Das CS-System stellt das "innere Milieu" für die Entwicklung, das Wachstum und die Funktionsfähigkeit des Gehirns und des Rückenmarks zur Verfügung, vom Moment der embryonalen Formgebung bis zum Tod" (Upledger, 1996, S. 25).
Zwischen Nerven-, Immun-, Lymph- und Hormonsystem bestehen Verbindungen, die durch die sanfte CS-Behandlung unterstützt, ausbalanciert und harmonisiert werden. Zum Beispiel erhalten Ein- und Austrittsstellen von Hirnnerven, durch spezielle CS-Techniken, mehr Raum um ihre Funktion besser ausüben zu können. Dies wiederum wirkt sich auf die Verarbeitung aller motorischen und sensitiven Reize positiv aus. Auch wird die Balance des autonomen und vegetativen Nervensystems unterstützt und fördert somit den Abbau von Stress und die Verarbeitung von Außenreizeinflüssen (vgl. Agustoni, 1999, S. 30)!
2.2. Anatomische Zusammensetzung
Das CS-System setzt sich unter anderem aus folgenden anatomischen Bestandteilen zusammen:
- den Meningealmembranen
- den Knochenstrukturen, an denen die Meningealmembranen befestigt sind
- den weiteren nicht ossären (nicht knöchern), eng mit den Meningealmembranen verbundenen bindegewebigen Strukturen
- der Cerebrospinalflüssigkeit (Liquor)
- allen zur Herstellung, Resorption und als Speicher der Cerebrospinalflüssigkeit dienenden Strukturen (vgl. Upledger, 1994, S. 17).
2.3. Das Ventrikelsystem
Dieses System setzt sich zusammen aus vier Ventrikelräumen (Hohlräume, in denen sich Liquor befindet) von denen sich zwei seitlich und der dritte und vierte in der Mittellinie befinden. Die seitlichen Ventrikel liegen in der linken und rechten Hirnhälfte parallel nebeneinander. In der Folge fließt produzierter Liquor von diesen Seitenventrikeln nach unten zu einem weiteren Hohlraum, dem dritten Ventrikel. Dieser liegt in der Mitte des Gehirns. Von dort aus führt eine schmale Verbindung (der Aquäductus cerebri im Bereich des Mittelhirns) zum vierten Ventrikel, der im Kleinhirnbereich zwischen verlängertem Rückenmark (Medulla oblongata) und Kleinhirn liegt; ein Verschluss oder Fehlen dieses Kanals führt zu einem Hydrocephalus (vgl. Upledger, 1994, S. 29).
2.3.1. Der Liquor
Beim gesunden Menschen ist die Hirnflüssigkeit klar und farblos. Liquor umspült im Subarachnoidalraum (Raum zwischen mit harter Hirnhaut ausgekleideten Schädelknochen und dem Hirn) über die Pia mater (weiche Hirnhaut) unser gesamtes Gehirn das Rückenmark und fließt auch im Zentralkanal des Rückenmarks. Insgesamt werden täglich in etwa 500 bis 700 Milliliter Cerebrospinalflüssigkeit produziert (vgl. Agustoni, 1999, S. 29). Zusammen mit der harten Hirn- und Rückenmarkshaut bildet der Liquor einen Schutz für Gehirn und Rückenmark. Er fungiert sozusagen als "Stoßdämpfer". Dies ist täglich wichtig, werden doch damit Erschütterungen beim Gehen, Rennen oder Stürzen abgedämpft. Das Hirn und Rückenmark schwimmt im Liquor und wird von ihm umspült.
Außerdem besitzt unser Liquor "Nährfunktion" durch seine reichhaltige Zusammensetzung aus u.a.: Glucose, Eiweiß, Elektrolyten, Cholesterin. Es wurden auch geringe Spuren von Vitamin C, Neurotransmittern und Endorphinen nachgewiesen.
Nebenbei besitzt unsere Hirnflüssigkeit auch eine reinigende Wirkung, in dem sie ungehindert an sämtliche Stellen in Gehirn und Rückenmark, wo Abfallstoffe wie zum Beispiel alte Hirn oder Rückenmarkszellen vorkommen, herankommt und diese ausschwemmt und abtransportiert. Das wiederum funktioniert über das Liquorableitungssystem, vorwiegend im Gehirn, wo Liquor über die Arachnoidalzotten in das venöse System resorbiert wird, aber auch im Rückenmark, wo Flüssigkeit entlang von Rückenmarksnerven in das Lymphsystem abgeleitet werden kann (vgl. Agustoni, 1999, S. 29).
2.4. Die Membranen
Die Membranen des CS-Systems sind die Dura Mater, die Arachnoidea Mater und die Pia Mater. Beginnend im Hirn als Hirnhäute, setzen sie sich als Rückenmarkshäute bis zum Steißbein fort.
Besonderes Augenmerk möchte ich auf die Dura Mater (Duralmembran) legen. Sie ist die äußerste Schicht der drei Meningen, die Gehirn und Rückenmark umhüllen. Die Dura stellt außerdem die so genannte "Innere Verbindung" (Upledger 1994, S. 27) zwischen Foramen magnum (grosses Hinterhauptsloch) und dem Os sacrum (Kreuzbein) dar. Die Fortsetzung dieser Membran in der Wirbelsäule ist die Duralröhre. Dieser Membranschlauch ist innerhalb des Rückenmarks relativ frei beweglich und kann sich in seiner Lage den Körperbewegungen anpassen, ohne dass dabei das Nervengewebe des Rückenmarks eingeklemmt wird (mehr dazu im Kapitel 8, Die Duralröhre und die Wirbelsäule).
Die Bewegungen von Occiput (Hinterhaupsbein) und Sacrum entsprechen einander wenn sich die Wirbelsäule im Ruhezustand und in einer verhältnismäßig neutralen Lage befindet. Diese synchronisierte Bewegung wird unter Praktikern auch "Liquorschaukel" genannt (weil beim Palpiern eine schaukelnde Bewegung spürbar ist).
Die Dura Mater bildet eine Schicht des Endosts (Knochenbinnenräume auskleidende Gewebsschicht) im Schädelgewölbe und ist über das Periost (den Knochen umgebende, bindegewebige Haut) mit den Knochen des Schädelgewölbes fest verbunden. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung befinden sich die Knochen des Schädelgewölbes ständig in Bewegung, um sich laufend den sich dauernd ändernden Druckverhältnissen innerhalb des CS-Systems anzupassen. Egal wie alt der Mensch ist, die Schädelnähte oder Gelenke, an denen die Schädelknochen zusammentreffen, verschmelzen unter normalen Umständen nicht.
3. Die craniosacrale Bewegung/der Rhythmus - Ebbe und Flut im Körper
Das, vor noch nicht allzu langer Zeit entdeckte, CS-System ist durch eine ständige rhythmische Bewegungsfähigkeit (vergleichbar mit Ebbe und Flut) während des ganzen Lebens gekennzeichnet (vgl. Agustoni, 1999, S. 31). Sie ist mit den physiologischen Bewegungen der Atmung nicht verwandt und stellt eine vom Kreislauf gesonderte Bewegung dar (und ist dennoch erfühlbar). Den CS-Rhythmus kann man generell als "Vitalitätsindikator" betrachten.
Der CS-Rhythmus ist ein in bestimmten Abständen wiederkehrendes, leichtes Sich-Ausdehnen (Flexion, Außenrotation) und -Zusammenziehen (Extension, Innenrotation) der Schädelknochen und des gesamten Körpers um die Wirbelsäulenachse. Dieser Puls wird offenbar durch die wechselnden Druckverhältnisse im Schädel und der gesamten Wirbelsäule, während der Produktion und Absorbtion der cerebrospinalen Flüssigkeit hervorgerufen (vgl. Arnold, 2001, S. 18).
3.1. Die Beobachtung der CS-Bewegung
Dieser subtile CS-Rhythmus kann im menschlichen Körper in einem Zyklus von etwa 6 bis 12 Mal pro Minute ertastet werden. Bei pathologischen Zuständen sind Frequenzen von weniger als 6 und mehr als 12 Zyklen in der Minute durchaus möglich (vgl. Upledger, 1994, S. 18). 1 Zyklus = je eine Flexions- und Extensionsbewegung. Die rhythmische CS-Bewegung kann am leichtesten am Kopf ertastet werden.
Weitere "Lauschstationen" für Anfänger, um den Rhythmus wahrzunehmen und zu bewerten, sind unter anderem: Füße, Oberschenkel, Hüften, Zwerchfell, Schultern. Selbsterfahrungstipp: Bequem hinlegen, ruhig werden, Hände unter den Schädel legen und ... lauschen, dem was all deine sensiblen Antennen aufnehmen.
Die Erfahrene kann die CS-Bewegung an jeder beliebigen Stelle des Körpers ertasten. Durch das Tasten lässt sich vieles erfahren (manchmal nur erahnen), was sich unter der Haut eines Körpers tut. Muskeln, Gelenke, Sehnen, Bänder, Beweglichkeit, Bewegung von Organen, magnetische Felder, Energiefelder ohne physikalische Erklärung, Gefühle.
Der CS-Rhythmus ist bei nicht pathologischen Zuständen sehr stabil. Er verändert sich nicht bei Anstrengung, Gemütserregung, im Ruhezustand (was bei Kreislauf und Atemrhythmus sehr wohl der Fall ist). Seine Existenz ist den meisten Menschen vollkommen unbewusst. Er ist so subtil und diskret dass er nur in einem absoluten Ruhezustand erfühlt werden kann. Die craniale "Welle" ist im Koma merklich reduziert, kann nach Kopfverletzungen fehlen und ist während Fieberzuständen hyperaktiv. Interessant ist beispielsweise, dass Koma-Patienten oft einen CS-Rhythmus von nur 4 Zyklen pro Minute aufweisen und diese eher extensionsbetont sind (vgl. Upledger, 1994, S. 18).
3.2. Der Ruhepunkt
Von Zeit zu Zeit kann es vorkommen, dass der CS-Rhythmus stillsteht. Dieser Ruhepunkt wird auch Stillpunkt (oder auf Englisch Stillpoint) genannt. Ruhepunkte sind förderlich für das CS-System und die Regeneration des ganzen Körpers, da dieser bis zu mehreren Minuten in der Stille seines Zentrums zur Ruhe kommt. Er erlaubt dem CS-System seine Aktivität neu zu organisieren um einen optimalen Effekt auf den Körper auszuüben. Stillpoints entstehen alleine oder werden durch äußere Hilfe induziert. In diesem Zeitraum hat das gesamte System Gelegenheit sich neu zu justieren und auszurichten. Oft bemerkt man Veränderung am Atemrhythmus, welcher tiefer und langsamer werden kann. Weiters setzt er den sympathischen Tonus herab, steigert den Flüssigkeitsaustausch zwischen den verschiedenen physiologischen Bereichen, vermindert Stress, senkt das Fieber und steigert die körpereigenen Abwehrkräfte gegen Krankheitserreger (vgl. Agustoni, 1999, S. 35). Die behandelte Person gleitet in eine angenehme Entspannung. In dieser Phase passiert Regeneration und Heilung!
4. Voraussetzung für CS-Arbeit
Voraussetzung für die CS-Arbeit sind gründliche Kenntnisse der cranialen und sacralen Anatomie und verlangt Empfindsamkeit in der Berührung, die die Ausübenden in die Lage versetzt, die cranialen Wellenformen erst wahrzunehmen und dann zu optimieren. Was heute allgemein als CS-Arbeit bekannt ist, kann wie jede Kunst sehr verschiedenartig ausgeübt werden! Es gibt ein paar Grundsätze die man immer berücksichtigen sollte:
- analytisches Denken vermeiden
- seiner Phantasie vertrauen
- alles akzeptieren was man fühlt und wahrnimmt, denn
"
die Hände erzählen was zu tun ist
" (Milne, 1999, S. 10).
Wie schon erwähnt ist die CS-Behandlungsform eine sehr subtile und vor allem spirituelle Form von Körperarbeit, die sehr viel Ruhe und Ausgeglichenheit der Behandelnden voraussetzt.
5. Mit welchen Kräften wird gearbeitet?
Grundsätzlich gilt: Leichtere Kräfte erzielen hier bessere Ergebnisse, somit wird so sanft wie möglich gearbeitet.
Eine leichte Kraft über einen längeren Zeitraum ausgeübt, hat oft eine bessere Wirkung, als eine starke Kraft über einen kurzen Zeitraum (die anerzogene Tendenz ist immer eine stärkere Kraft anzuwenden).
Zwei Beispiele zum Vergleich. Die Kraft, die dem Gewicht eines 10 Cent Stückes (ca. 5 Gramm) entspricht, entspricht der Kraft, die wir in der CS-Arbeit anwenden. (Die untere Schwelle des menschlichen Wahrnehmungsvermögens von Druck und Gewicht liegt beträchtlich tiefer, bei 0,00167 g, dem Gewicht einer Stubenfliege. Vgl. Milne, S. 159). Oder der Druck, der angenehm auf den Augäpfeln zu ertragen ist. Es braucht Zeit um sich auf so feine Arbeit einzustellen.
6. Indikationen für CS-Arbeit bei Kindern
Um nur einige zu nennen:
- Atembeschwerden
- Geburtsaufarbeitung (z.B. Behandlung von "Schrei-Babys")
- Behandlung von langsamen, dyslektischen, spastisch zerebral gelähmten Kindern
- Stärkung der Abwehrkräfte, Immunsystem
- Hormonstörungen
- Fieber
- Tränenwegsstenose
- Hüftdysplasie
- Inguinalhernie
- Obstipation
- Schluckprobleme
- Schlafstörungen
7. Kontraindikationen
Akute Intracranielle Blutung (Hirnblutung)
Da die dynamischen Druckverhältnisse der Intracranialflüssigkeit durch den manuellen
Eingriff in das System wesentlich verändert werden und die Dauer der Blutung unter
Umständen verlängert werden kann.
Intracranielles Aneurysma
Die bei der CS-Behandlung erzeugte Veränderung der dynamischen Druckverhältnisse der
intracraniellen Flüssigkeit kann genügen, um bei einem gefährlichen, bereits vorhandenen
intracraniellen Aneurysma ein Leck oder eine Ruptur zu verursachen.
Hernienbildung der Medulla Oblongata
Eine gefährliche Situation, bei der jede Veränderung der hydraulischen Druckverhältnisse
unerwünscht ist (vgl. Upledger, 1996, S. 45).
7.1. CS-Arbeit und Lumbalpunktion
Eingangs möchte ich festhalten, dass ich in meiner Funktion als Kinderkrankenschwester auf der neonatologischen Intensivstation häufig mit Hirnblutungen konfrontiert werde und bisher bei unzähligen Lumbalpunktionen als assistierende Schwester anwesend war. Diese Punktionen sind ein sehr anstrengendes und oftmals lange andauerndes Unterfangen für die betroffenen Säuglinge, da der Liquor hin und wieder seinen Weg nach unten nicht finden kann.
Im letzten Jahr fiel mir bei einem Kind, das mit "Mühe" serienpunktiert wurde, auf, dass, wenn ich unterstützend während des Haltens dessen spinale Dura zu entspannen versuchte (was keinen großen Aufwand darstellt, da die Position meiner Hände während des Haltens ohnedies auf Occiput und Sacrum beschränkt ist), der Liquor plötzlich zu tropfen begann, ohne jeglichen Lage-/Positionswechsel von Kind oder Punktionskanüle. Damit konnte die ganze Prozedur in einem angemessenen Zeitraum zu Ende gebracht und ein (wie vom Arzt zuvor angekündigtes) nochmaliges Einstechen in den Duralschlauch vermieden werden. Ebenso war ein Komprimieren der Schädelknochen (um durch diesen Druck von Außen den Liquorabfluss in Gang zu bringen) nicht notwendig. Dieses Phänomen konnte ich bei zwei weiteren Lumbalpunktionen beobachten.
Diese Beobachtung steht im klaren Widerspruch zu Upledgers Kontraindikationen. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass es sich hier um eine absolut sinnvolle Ausnahme handelt, bei der den betroffenen kleinen Patienten, mit wenig Aufwand (außer Kenntnis der CS-Anatomie und -Funktion) einiges an Martyrium erspart werden kann. Es wurden weder ein Fortschreiten der Blutung noch sonstige Nebenwirkungen beobachtet.
Laut meiner Recherchen in CS und osteopathischer Literatur wird das von mir Beobachtete noch nirgends beschrieben. Aus diesem Grund gibt es keine Erfahrungswerte außer der Meinen und ich würde meinen Erfahrungsschatz gerne ausweiten. Weiters wäre es sinnvoll, Studien zu diesem Thema durchzuführen.
8. Die Duralröhre und die Wirbelsäule
Wie schon im Kapitel 2.4 Die Membranen beschrieben, verläuft die Duralröhre innerhalb der Wirbelsäule. Sie bildet eine stark schützende und doch auch flexible äußere Umhüllung für das Rückenmark. Sie ist mit der Wirbelsäule nur an den oberen Halswirbeln und am Kreuzbein verbunden. Im größten Teil ihrer Länge ist sie frei beweglich im Wirbelkanal und kann sich in ihrer Lage den Körperbewegungen anpassen, ohne dass dabei das Nervengewebe des Rückenmarks eingeklemmt wird. An den Wirbelkörpern gibt es beiderseits Ausstülpungen der Duralröhre, die den Nervensträngen erlauben, sich vom Rückenmark ausgehend in den Körper zu verästeln. Diese Ausstülpungen und ihr Inhalt verlaufen durch Spalten zwischen den Wirbeln (vgl. Upledger, 1994, S. 143).
Unter bestimmten Umständen aber kann es passieren, dass sich die Duralröhre an der Seite des Wirbelkanals leicht verdreht. Das kann den Fluss der cerebrospinalen Füssigkeit behindern oder Druck auf die Nervenwurzeln ausüben, die vom Rückenmark in den Körper hinaus verlaufen. Eine Fehlstellung der Wirbel kann Druck auf die Duralröhre ausüben und sie in ihrer Beweglichkeit und dem freien Flüssigkeitsaustausch einschränken (vgl. Arnold, 2001, S. 225 ff).
Aufgrund dieser möglichen Gegebenheiten, kann ich den Hergang des in Kapitel 7.1. CS-Arbeit und Lumbalpunktion veranschaulichten Phänomens durchaus erklären. Da es aber nicht vordergründig Thema meiner Arbeit ist, werde ich auf explizite Erläuterungen verzichten (und weiter beobachten).
9. Das Bindegewebe
Über das Bindegewebe sind wir mit unserem ganzen Körper verbunden. Eine kleine Verletzung reicht bereits aus, um über die verbindenden Gewebe andere Stellen im Körper zu beeinflussen. Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates können über das Bindegewebe erspürt werden. "Das Bindegewebe spricht" (Agustoni, 1999, S. 79). Die Beurteilung der verschiedenen Gewebe wird auch "Listening" genannt. Mit großer Aufmerksamkeit und sehr geringem Auflagegewicht lässt uns das Bindegewebe in die Tiefen des Körpers horchen. Über die Haut, durch die Leitverbindungen des Bindegewebes zu den Faszien (wenig dehnbare, aus gekreuzt verlaufenden kollagenen Fasern und elastischen Netzen aufgebaute Hülle einzelner Organe, Muskeln oder Muskelgruppen. Pschyrembel, 1991, S. 504), welche Muskeln und Organe einbetten, weiter durch den Muskel bis zum Knochen hin, können diese Schichten mit viel Übung differenziert wahrgenommen werden. Darüber hinaus hat das Bindegewebe stützende, leitende, trennende und verbindende Funktion.
Die Entspannung der einzelnen Bindegewebsschichten geschieht vorwiegend an Körperzonen, welche über viele querverlaufende, Halt und Stabilität verleihende Gewebs- und Muskelschichten verfügen. Diese sind maßgeblich zuständig für unsere gesamte Haltung und müssen jedes Ungleichgewicht kompensieren.
Querverlaufendes Bindegewebe: dort wo sehr viel Stütz und Bewegungsfreiheit verlangt wird, wie z.B. Becken, Beckenboden und Schulter- Nackenbereich. Diese Zonen sind oft angespannt und werden als beengend empfunden (vgl. Agustoni, 1999, S. 79).
Ich habe schon häufig die Erfahrung gemacht, dass selbst kleine Neugeborene massive Spannungen im Beckenbereich vorweisen. Nach Entspannung des Bindegewebes können immer wieder spontane "Chillout- und Tiefschlafphasen" beobachtet werden; vor allem bei sonst sehr "blähungsgeplagten" Säuglingen.
Werden querverlaufende Bindegewebsschichten entlastet, so hat dies auch maßgeblichen Einfluss auf die längsverbindenden Gewebsschichten und somit auf die Gesamtstatik des Körpers. Unsere Organe erhalten mehr Raum wenn sich das Bindegewebe entspannt. Mit einfachen CS-Techniken wird ermöglicht, den Körper wieder als Ganzes wahrzunehmen.
10. Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder
"Wenn die junge Pflanze bereits krumm wächst, wird der Baum niemals gerade sein können
"
Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder zeigen besondere Probleme im CS-System. Im Laufe der Entwicklung des Neugeborenen finden massive Veränderungen im Wesen der Knorpel, Membranen und Knochen statt, aus denen sich das Schädelgewölbe zusammensetzt. Beim Neugeborenen und Säugling ist die CS-Bewegung schwieriger festzustellen als beim Erwachsenen und auch die Art und Weise wie Behandlungen vorgenommen werden ist anders als beim Erwachsenen. Beim Neugeborenen sind sowohl Bewegungsspielraum als auch Bewegungsamplitude wesentlich kleiner. Die Bewegung der membranösen Bereiche ist subtiler wahrzunehmen.
Die Veränderungen des Körpers während der menschlichen Entwicklung sind ein ständiges Phänomen. Gerade in den ersten Lebensjahren vollziehen sie sich besonders rasch. Um CS-Arbeit an Säuglingen durchführen zu können empfiehlt Dr. J. Upledger so viele Stationen des menschlichen Entwicklungswegs wie möglich zu erleben um sich langsam an jede Altersstufe anzupassen.
10.1. Der erste Kontakt eines Neugeborenen mit CS-Arbeit
... ist theoretisch sofort nach der Geburt möglich. Es hängt sehr viel vom Geschick der Behandelnden ab. Mit CS-Behandlungstechniken können Probleme im CS-System sehr effizient und vor allem nachhaltig korrigiert werden. Die Korrektur dieser Probleme verhindert unter Umständen die Entwicklung von Koliken, Atemschwierigkeite, Dyslexie, Anfällen, des Floppy-Baby-Syndroms und von Allergien. Außerdem wird die allgemeine Gesundheit des Kindes gekräftigt (vgl. Upledger, 2004, S. 173). Ebenso wirkt sich CS-Arbeit sehr positiv auf die Verdauung und Ausscheidung, vor allem bei zu "Koliken" neigenden Kindern aus.
11. Entstehung von Dysfunktionen
Geburtskomplikationen stellen die häufigste Ursache von craniosacralen Dysfunktionen beim Kind dar (Sergueef, 1995, S. 9). Schon während der Fetalperiode können Dysfunktionen entstehen, durch:
- einen pathologischen Uterus
- Störungen des mütterlichen Beckens
- Zwillingsschwangerschaft
- Vorzeitige Wehentätigkeit
- Vorzeitiger Eintritt in den Geburtskanal
Während der Geburt können sich Dysfunktionen in der Eintrittsphase, während des Tiefertretens des Kindes im Geburtskanal und in der Austreibungsphase entwickeln.
Sehr oft liegen bei Säuglingen Spannungen oder Dysfunktionen der Halswirbelsäule oder der oberen Brustwirbelsäule (Th1-Th3) vor (vgl. Sergueef, 1995, S. 63). Biedermann beschreibt dass Störungen in diesem Bereich, die in späteren Jahren zum Beispiel einen "verspannten Nacken" zur Folge haben, in den ersten Lebensjahren tief greifende sensomotorische Fehlentwicklungen zur Folge haben können (vgl. Harms, 2000, S. 472).
Vakuumextraktionen sind hier auch erwähnenswert, da sie zu Dehnungen an der Dura mater und der Faszien führen und dadurch vertebrale und intraossale Dysfunktionen hervorrufen.
Bei inkompletter Rotation des Kopfes ist manchmal die Anwendung einer Geburtszange (Forceps) notwendig, wodurch es ebenso zu Dysfunktionen kommen kann.
Bei Kindern mit Saug-Schluckproblemen (intraossale Dysfunktion) könnte ein irritierter Nervus vagus (10. Gehirnnerv), durch eine veränderte Begrenzung des Foramen magnum und einer Störung der Medulla oblongata (verlängertes Mark) die Ursache sein (vgl. Sergueef, 1995, S. 61ff).
Dank der Formbarkeit des Schädels ist die Belastung der Geburt zu ertragen, dennoch bleiben in den Geweben oft noch die Asymetrien der durchgemachten Dehnung und des Druckes zurück.
Wer denkt, dass Kaiserschnittgeburten risikofreier sind, der irrt. Je nach Indikation - aber nehmen wir an, die Mutter hat ein zu enges Becken - kann es durchaus sein, dass sich daraus Probleme im Bereich des Gesichtsschädels ergeben. Das kann Auswirkungen auf das Nervensystem haben und das Wachstum des Schädels hängt im ersten Jahr großteils vom Wachstum des Gehirns ab (vgl. Sergueef, 1995, S. 72). Es können mehrere Dysfunktionen zugleich vorliegen, die sich erst langsam, eine nach der anderen, zeigen. In der Behandlung muss man somit viel Geduld aufbringen, um die Korrekturbewegungen im ihnen eigenen Rhythmus geschehen zu lassen.
Die besten Techniken sind jene, die den Händen der Behandelnden und dem Gewebe des Patienten entsprechen. Welche Technik auch immer zur Anwendung kommt, die Dosierung ist wichtig (vgl. Sergueef, 1995, S. 87).
12. Entspannung des Duralschlauches
Ich werde nun eine Technik vorstellen, mit der es möglich ist unruhige und irritierte Kinder gut zu entspannen und verweise auch gleichzeitig auf das Kapitel 7.1. CS-Arbeit und Lumbalpunktion, in welchem ich kurz die Entspannung der spinalen Dura erwähnt habe.
Eine Hand wird unter den Hinterkopf gelegt, die andere unter das Kreuzbein, wobei die Finger nach cranial zeigen sollten. Das Kind muss nicht unbedingt auf den Schoß genommen werden. Man kann diese Technik auch im Inkubator oder am Wickeltisch anwenden. Der Kopf, der mit einer Hand gestützt wird, sollte frei im Raum gehalten werden. Eine Alternative ist die Seitenlage.
Zuerst erfolgt das "Listening", welches uns Auskunft über die Beschaffenheit des Gewebes und über die Beweglichkeit der Faszien gibt (vgl. Sergueef, 1995, S. 88). Man kann eine leichte "Schaukelbewegung" wahrnehmen. Occiput und Sacrum bewegen sich parallel und synchron (vgl. Upledger, 1994, S. 145). Spannungen im Bereich der Wirbelsäule werden gelöst, der Duralschlauch, durch den Geburtsvorgang oft verdreht, kann sich durch Freiwindungsbewegungen "freischaukeln".
Es ist wichtig zu wissen, dass jede Hemmung des Membransystems im Schädel sich auch auf den Duralschlauch auswirkt.
Laut Sergueef (1995), werden am häufigsten Extensionen der Halswirbelsäule festgestellt, die durch die Kopfposition während der Austreibungsphase verursacht wurden. Neugeborene begeben sich leichter in die Dysfunktionsposition wenn sie sich, mit frei im Raum gehaltenem Kopf, auf dem Schoß befinden.
13. Die psychomotorische Entwicklung
- Bei der Geburt
Das Neugeborene schläft größtenteils. Es niest, es streckt sich, gähnt, bewegt den Rumpf und die Gliedmaßen. - Mit 1 Monat
Es führt die Hände zum Mund, hält den Kopf gerade wenn der Rumpf unterstützend gehalten wird. Es erkennt seine Eltern, schreckt bei lauten Geräuschen zusammen. - Mit 2 Monaten
Das Baby lächelt, hebt den Kopf wenn man es auf den Bauch legt und folgt mit den Augen Gegenständen im Raum. - Mit 3 Monaten
Das Neugeborene kann mit seinem Blick einer Person folgen, lenkt seine Aufmerksamkeit von einem Gegenstand zum anderen. - Mit 4 Monaten
Es kann laut lachen. Wenn es auf dem Bauch liegt, kann es den Kopf und die Oberschenkel heben und einen Gegenstand in der Hand halten. - Mit 5 Monaten kann es den Kopf gerade halten
- Mit 7 Monaten
Es rollt vom Bauch auf den Rücken, erkennt seine Umgebung, ergreift Gegenstände. - Mit 8 Monaten
Es versucht, auf sich aufmerksam zu machen, versucht zu krabbeln, gibt Gegenstände von einer Hand in die andere. - Mit 9 Monaten
Das Kind sagt Mama und Papa, gibt mit der Hand Zeichen, kann sitzen. - Mit 10 Monaten
Es krabbelt auf allen Vieren, kann mit Hilfe stehen und sein Fläschchen halten. Es lächelt sich bereits mit diesem Alter im Spiegel an. - Mit 11 Monaten
Es isst mit den Fingern und entdeck den Pinzettengriff. Es versucht aufzustehen. - Mit 12 Monaten
Es kann einige Schritte gehen, wenn es gestützt wird und krabbelt überallhin. Es verbindet Worte. - Mit 13 Monaten
Es kann alleine stehen und ist in der Lage, ein Glas zu ergreifen. - Mit 14 Monaten
Es beginnt, Stiegen zu steigen, kann vier oder fünf Worte sprechen, kann seine Sphinktermuskulatur kontrollieren. - Mit 18 Monaten
Es klettert auf einen Sessel, läuft, kann auf einem Fuß stehen, aus einer Schale trinken. Es zeigt auf die Bilder in einem Buch und beginnt zu sprechen. - Mit 2 Jahren
Es verwendet das Wort "ICH", assoziiert ca. 30 Worte, läuft ohne hinzufallen und steigt Stiegen auf und ab. - Mit 3 Jahren
Es kann seine Kleider selbständig auf- und zuknöpfen und kann einfache geometrische Figuren nachzeichnen.
(vgl. Sergueef, S. 38 ff)
14. Zusammenfassung
Die Craniosacralarbeit ist eine manuelle Methode zur Evaluierung und Behandlung des CS-Systems - die Umgebung, in der Gehirn und Rückenmark eingebettet sind und arbeiten. Anatomie und Physiologie werden in groben Zügen erörtert und geben Auskunft über die subtilen Funktionsmechanismen dieses vor noch nicht allzu langer Zeit entdeckten physiologischen Systems.
Diese Art der Körperarbeit stimuliert die natürlichen Heilungsvorgänge des Körpers, stärkt das Immunsystem und baut Stress ab, zentriert. Ein Ungleichgewicht im System kann sich für Früh- und Neugeborene entwicklungseinschränkend auswirken. CS-Arbeit ist ein wunderbar sanftes Instrument zur Förderung der Entwicklung des Nervensystems, das, wenn vernünftig angewandt, keine Nebenwirkungen und Risiken mit sich bringt.
15. Schlusswort
Wir Kinderkrankenschwestern sind, neben den Geburtshelfern, meist die Ersten die kranke Früh- und Neugeborene in Empfang nehmen, versorgen, betreuen und pflegen. Wir sind mit einem mannigfaltigen Spektrum an Geburtskomplikationen konfrontiert und können mittels Einsatz einfacher Techniken sehr früh schon positiv auf die Entwicklung der Kleinen einwirken und sie durch Entwicklung eines guten Körpergefühls unterstützen. Der Ansatz der Pflege, sowie das Umfeld in dem das Kind gepflegt wird, bringt sowohl kurzfristig, als auch langfristig messbare Vorteile mit sich, vor allem hinsichtlich der Entwicklung des Nervensystems (vgl. Young, 1997, VIII).
Literaturverzeichnis
Agustoni Daniel: Craniosacral-Rhythmus-Praxisbuch zu einer sanften Körpertherapie. München: Heinrich Hugendubel Verlag, 1999
Arnold, Anthony: Rhythmus und Berührung-Grundlagen und Praxis der CS-Therapie. München: Goldmann Verlag, 2001, 2. Auflage
Harms, Thomas (Hrsg.): Auf die Welt gekommen - Die neuen Baby-Therapien. Berlin: Ulrich Leutner Verlag, 2000
Milne, Hugh: Aus der Mitte des Herzens lauschen, Band 1. Petersberg: Verlag Via Nova, 1999, 1. Auflage
Pschyrembel (Hrsg.): Klinisches Wörterbuch. Berlin/New York: Walter de Gruyter, 1990, 256. neu bearbeitete Auflage
Sergueef, Nicette: Die kraniosakrale Osteopathie bei Kindern. Kötzing/Bayer. Wald: Verlag für Ganzheitliche Medizin Wühr, 1995
Upledger, J.E./Vredevoogd, J.D.: Lehrbuch der Kraniosacral-Therapie. Heidelberg: Karl F. Haug Verlag GmbH & Co., 1991, 2. Überarbeitete Auflage/1996, 4. Neubearbeitete Auflage
Upledger, J.E.: Auf den inneren Arzt hören. München: Heinrich Hugendubel Verlag, 2004
Young, Jeanine: Frühgeborene fördern und pflegen. Berlin/Wiesbaden: Ullstein Mosby Verlag, 1997
Nachwort
Mit meiner Arbeit möchte ich in erster Linie alle Kolleginnen und Kollegen erreichen, die in der Kinderkrankenpflege tätig sind und interessiert daran, der Pflege eine neue Dimension zu verleihen. Diese Arbeit stellt einen Versuch dar, einen weiteren Aspekt in die Pflege zu integrieren und dieser damit einen frischen Ansatz zu verschaffen.
Alle Schwestern und Pfleger, die wie ich die Pflege von Früh- und Neugeborenen als ihr Spezialgebiet ansehen, befinden sich in einer entscheidenden Position für eine nachhaltige und positive Einflussnahme auf das sich entwickelnde Neugeborene. Meine Arbeit soll einen Beitrag zu einem besseren Verständnis für die äußerst komplexen Funktionsprozesse des craniosacralen Systems leisten und uns damit auch daran erinnern die Bedürfnisse und Fähigkeiten der immer "kleiner" werdenden Kinder jederzeit zu berücksichtigen, ihre Entwicklung und ihr Wachstum bestmöglichst zu fördern.
Bekanntlich gibt es viele verschiedene Arten hinzuknien und den Boden zu küssen. Aus diesem Grunde und intensiver Auseinandersetzung mit Körperarbeitarbeit, bin ich keine Anhängerin eines einzigen Systems. Insgesamt meine ich, in der Wahl der "Hilfsmittel", die mir zur Verfügung stehen und die ich mir aneigne, eklektisch zu bleiben, immer mit größtem Respekt und Ehrfurcht vor dem mir anvertrauten Menschen.
Ich danke allen die mich in meinem Tun unterstützen und meine Begeisterung mit mir teilen. Insbesondere Elisabeth, Physio- und Craniosacral Therapeutin, für die langjährige Unterstützung und Motivation und Christoph für sein Vertrauen, seine Geduld und sein fundiertes Know How bezüglich schriftlicher Abschlussarbeiten ;-)
Zwecks besserer Lesbarkeit meiner Arbeit habe ich die weibliche Form gewählt. Diese soll die männliche Form miteinschließen.
Sylvia Potzinger
Kontakt zur Autorin
Sylvia PotzingerDipl. Kinderkrankenschwester
sylvia@cranium.at
Website der Autorin: Craniosacrale Körperarbeit
http://www.kinderkrankenpflege-netz.de/aktuell/craniosacral-kinder.shtml
